ANWENDUNG DES ENTGELTERHÖHUNGSFAKTORS BEI DER BERECHNUNG DER DURCHSCHNITTSVERGÜTUNG: THEORIE UND PRAXIS

November, 2017

Eine große Anzahl von Unternehmen erhöht mindestens einmal jährlich die Gehälter ihrer Mitarbeiter. Dabei ist nicht allen bekannt, dass bei der Gehaltsberechnung für die Urlaubszeit der sogenannte Entgelterhöhungsfaktor angewendet werden muss. Mehrere Gehaltserhöhungen in einem Abrechnungszeitraum, insbesondere infolge eines Stellenwechsels, machen die Abrechnung noch komplizierter.

Nachstehend beschäftigen wir uns mit den theoretischen Hintergründen sowie mit der praktischen Anwendung des Entgelterhöhungsfaktors. Die nachfolgende Tabelle stellt einen Versuch dar, die dabei einzuhaltenden Grundsätze zusammenzufassen.

Tabelle 1. Anwendung des Entgelterhöhungsfaktors

Was stellt die gesetzliche Grundlage für die Anwendung dar? Pkt. 10 der Verordnung des Ministerkabinetts der Ukraine Nr. 100 „Über die Berechnung der Durchschnittsvergütung“ vom 08.02.1995
Für wen gilt die Anwendungsregelung? für Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen aller Rechtsformen
Welche Abrechnungsarten sind davon betroffen? Entgelt für Jahres-, Zusatz- oder Bildungsurlaub, Urlaubsabgeltung, Aufrechterhaltung des Anspruchs auf eine Durchschnittsvergütung bei der Wahrnehmung von öffentlich-rechtlichen oder zivilrechtlichen Pflichten sowie bei Blut- oder Organspenden, Vergütung bei Dienstreisen unter Berücksichtigung der Durchschnittsvergütung, Beistandsgelder in Höhe eines durchschnittlichen Monatsgehaltes, Abfindung bei Kündigung
Wann erfolgt die Anwendung? Wenn Tarifsätze und Grundvergütung gemäß Rechtsverordnungen oder kollektivvertraglichen Vereinbarungen erhöht werden, müssen die auszuzahlenden Gehälter sowie alle Boni und sonstige für die Berechnung der Durchschnittsvergütung relevanten Bezüge um den Entgelterhöhungsfaktor bereinigt werden. Dies gilt sowohl im Abrechnungszeitraum als auch während der gesamten Zeit, für die ein Mitarbeiter Ansprüche auf eine Durchschnittsvergütung hat. Wenn bei der Erhöhung von Tarifsätzen und Grundvergütung bei einem Mitarbeiter Ansprüche auf eine Durchschnittsvergütung bestehen, gilt folgende Regelung: Die Abrechnungen für diese Vergütungsform betreffen nur einen Anteil, der für die Ansprüche auf die Durchschnittsvergütung relevant ist, und werden ab dem Tag der Erhöhung von Tarifsätzen (Grundvergütung) berechnet.
Wie wird der Entgelterhöhungsfaktor berechnet und angewendet? Für die Berechnung dieses Faktors muss der für einen Mitarbeiter nach der Gehaltserhöhung geltende Tarifsatz (Grundvergütung) durch den jeweiligen Tarifsatz (Grundvergütung) vor der Gehaltserhöhung dividiert werden. Solche Entgelterhöhungsfaktoren werden pro Mitarbeiter und pro Gehaltserhöhung berechnet. Der ermittelte Faktor bzw. die für jeden Einzelfall ermittelten Faktoren, sofern es mehrere Gehaltserhöhung gab, werden mit der Summe der ausgezahlten Gehälter vor der Gehaltserhöhung (inklusive Boni, Summen aus der Indexierung der Gehälter, Entgelt für davor genommene Urlaubstage sowie Entgeltsummen im Krankheitsfall) multipliziert.
Gibt es Ausnahmen bei der Anwendung des Entgelterhöhungsfaktors? Falls eine Gehaltserhöhung mit einer Beförderung einhergeht, wird der Entgelterhöhungsfaktor nicht angewendet (gemäß Verordnung Nr. 100 Pkt. 10 Abs. 3 sowie Brief des Arbeitsministeriums Nr. 260/13/84-06 vom 04.04.2006).
Kann man die Anwendung des Entgelterhöhungs-faktors vermeiden? Die Bestimmungen aus dem Brief des Ministeriums für Sozialpolitik Nr. 696/13/84-08 vom 24.10.2008 р. sehen für eigenwirtschaftliche Betriebe eine Möglichkeit vor, bei besonderen finanziellen Schwierigkeiten den Entgelterhöhungsfaktor etwas zu senken. Eine vollständige Befreiung von der Anwendung des Entgelterhöhungsfaktors ist jedoch nicht vorgesehen. Außerdem wird im o. g. Brief erläutert, dass die Senkung des Entgelterhöhungsfaktors in einem entsprechenden internen Beschluss dokumentiert werden muss. Dieser Beschluss muss vor der jeweiligen Periode verabschiedet werden, für die der Entgelterhöhungsfaktor angewendet wird. Darüber hinaus müssen gemäß Art. 97 des Arbeitsgesetzbuches alle Vergütungsfragen mit Vertretern der Belegschaft abgestimmt werden. Dies betrifft Formen, Systeme, Arbeitsnormen, Tarife, Berechnung der Grundvergütung, Bedingungen und Summen von Gehaltszulagen sowie von Sonderzahlungen, Boni und sonstigen Leistungszuschlägen, Entschädigungen und Garantiezahlungen. Besonders betrifft es Fälle, wenn eine Verschlechterung der durch die Gesetzgebung garantierten Bedingungen eintritt. Deswegen ist es für die Verabschiedung des o. g. Beschlusses erforderlich, eine Belegschaftsversammlung durchzuführen, in der u. a. Gründe für die Senkung des Entgelterhöhungsfaktors kommuniziert werden, und anschließend ein entsprechendes Protokoll zu verfassen. Zu möglichen Gründen zählen Rückgang des Arbeitsvolumens bzw. geringes Arbeitsvolumen, finanzielle Schwierigkeiten im Unternehmen usw.
Welche Konsequenzen können sich aus der Nichtanwendung des Faktors ergeben? Die Nichtanwendung von Anpassungsfaktoren kann dazu führen, dass die Gehaltsansprüche eines Mitarbeiters für die Zeit seines Urlaubs senken. Für einen solchen Verstoß ist eine Geldstrafe in Höhe eines dreifachen Mindestlohnes vorgesehen, der zum Zeitpunkt der Feststellung eines Verstoßes gesetzlich festgelegt ist (Art. 265 des Arbeitsgesetzbuches) sowie ein Verwarnungsgeld in Höhe von 510 UAH bis 1.700 UAH (Art. 41 des Gesetzbuches der Ukraine über Ordnungswidrigkeiten).

Beispiele zur Berechnung und Anwendung von Anpassungsfaktoren:

1.Herr Petrenko wurde am 03.10.2016 als Manager mit Gehalt in Höhe von 10.000 UAH angestellt. Er hat Urlaub für den Zeitraum von 10.11.2017 bis 15.11.2017 genommen. Die für die Bezahlung dieses Urlaubs relevante Durchschnittsvergütung wird für folgenden Zeitraum berechnet: November 2016 bis Oktober 2017. In dieser Zeit hatte der Mitarbeiter zwei Gehaltserhöhungen, und zwar:

  • ab 01.12.2016 auf 12.500 UAH,
  • ab 01.05.2017 auf 13.911 UAH.

Bei der Abrechnung werden folgende Faktoren angewendet, die gemäß Verordnung Nr. 100 für das gesamte, bei der Berechnung der Durchschnittsvergütung relevante Einkommen gelten:

  • 1,3911 (13.911 / 10.000) für das Einkommen im November 2016,
  • 1,11288 (13.911 / 12.500) für das Einkommen im Zeitraum von Dezember 2016 bis April 2017.

2.Frau Pavlenko, Senior Administrator, wurde am 12.05.2016 als Administrator mit Gehalt in Höhe von 8.500 UAH angestellt. Sie hat Urlaub für den Zeitraum von 01.11.2017 bis 14.11.2017 genommen. Die für die Bezahlung dieses Urlaubs relevante Durchschnittsvergütung wird für folgenden Zeitraum berechnet: November 2016 bis Oktober 2017. In dieser Zeit hatte die Mitarbeiterin zwei Gehaltserhöhungen, und zwar:

  • ab 01.12.2016 auf 10.000 UAH,
  • ab 01.03.2017 auf 11.500 UAH,
  • am 01.05.2017 wurde die Mitarbeiterin zu Senior Administrator mit Gehalt in Höhe von 13.000 UAH befördert.

Bei der Abrechnung werden folgende Faktoren angewendet, die gemäß Verordnung Nr. 100 für das gesamte, bei der Berechnung der Durchschnittsvergütung relevante Einkommen gelten:

  • 1,35294117647 (11.500 / 8.500) für das Einkommen im November 2016,
  • 1,15 (11.500 / 10.000) für das Einkommen im Zeitraum von Dezember 2016 bis Februar 2017.
  • Für das Einkommen im Zeitraum von März 2017 bis April 2017 wird der Faktor nicht angewendet. Denn am 1. Mai erfolgte eine Gehaltserhöhung in Folge einer Beförderung.

3.Fügen wir ein paar weitere Bedingungen zum zweiten Beispiel hinzu. Ab 01.07.2017 wurde das Gehalt von Senior Administrator Pavlenko auf 14.300 UAH erhöht.

Bei der Abrechnung werden folgende Faktoren angewendet, die gemäß Verordnung Nr. 100 für das gesamte, bei der Berechnung der Durchschnittsvergütung relevante Einkommen gelten:

  • 1,35294117647 (11.500 / 8.500) für das Einkommen im November 2016,
  • 1,15 (11.500 / 10.000) für das Einkommen im Zeitraum von Dezember 2016 bis Februar 2017.
  • Für das Einkommen im Zeitraum von März 2017 bis April 2017 wird der Faktor nicht angewendet. Denn am 1. Mai erfolgte eine Gehaltserhöhung in Folge einer Beförderung.
  • 1,10 (14.300 / 13.000) für das Einkommen im Zeitraum von Mai 2017 bis Juni 2017.

Gemäß einer schriftlichen Erklärung, die wir vom Ministerium für Sozialpolitik auf unsere schriftliche Anfrage bekommen haben, muss der Entgelterhöhungsfaktor anhand der Stelle berechnet werden, die zum Zeitpunkt der Gehaltserhöhung vom jeweiligen Mitarbeiter bekleidet wurde. Da die Mitarbeiterin eine Stelle als Senior Administrator zum Zeitpunkt der Gehaltserhöhung am 01.07.2017 innehatte, muss demzufolge der Entgelterhöhungsfaktor zu dieser Stelle für den Zeitraum von Mai 2017 bis Juni 2017 angewendet werden.

Bei der Anwendung des Entgelterhöhungsfaktors handelt es sich also nicht um ein Recht des Arbeitgebers, sondern um seine Pflicht. In der letzten Zahl werden immer öfter behördliche Überprüfungen zur Einhaltung der Arbeitsgesetzgebung eingeleitet. Bei einem Verstoß drohen neben o. g. Geldstrafen auch Auflagen zur Beseitigung des Verstoßes. Deswegen empfehlen wir, das Risiko von arbeitsrechtlichen Überprüfungen und ihre negativen Konsequenzen von vornherein zu vermeiden.

Autor: Tatiana Nevmerzhitskaya, Kateryna Pinkovskaya

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2017-12-04T07:50:29+00:00 04.12.17|Steuer und Buchhaltung|